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Interview mit Ralph Burger

SPTH
Ready Rangers Liberation Front [7]
Mai 2006

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Englisch-Übersetzung

1.) 1987 warst du einer der "Pioniere", die Computerviren besprochen und deren Quellcodes veröffentlicht haben. Wie hast du von Viren erfahren und warum hast du sie zu erforschen begonnen?

Aufgrund eines Artikels im Spiegel ueber die Arbeit von Cohen. Da ich damals grade erst mit der Selbstaendigkeit begonnen hatte, war die Auftragsdecke duenn und ich hatte noch Zeit. Und das Thema interessierte mich einfach.

2.) Andere Arbeiten dieses Forschungszweigs wurden von verschiedenen Institutionen zensiert. Jürgen Kraus' Arbeit ist heute noch der Öffentlichkeit völlig unbekannt. Warum gab es so großes Interesse an der Geheimhaltung, und warum ist dir und deinen Arbeiten dieses Schicksal erspart geblieben?

Ich denke nicht, dass das absichtliche Zensur war. Gut, einige Dinge wurden sicherlich nicht so zuegig Aufgearbeitet und weitergegeben, wie das Heute der Fall ist.

Ich denke, es war zum grossen Teil Ignoranz. Fachzeitschriften wie CHIP oder CT wollten von dem Thema nichts wissen. Hielten es entweder fuer Unfug (weil sie es nicht verstanden hatten) oder befuerchteten, sich durch negative Berichte ueber Viren den grade erst entstehenden Markt fuer Fachzeitschriften selbst zu untergraben.

Und da habe ich dann auf der CeBit zufaellig einen jungen Lektor von Data-Becker kennengelernt, der im Gespreach zu mir sagte: Haben Sie Lust daraus ein Buch zu machen?

3.) In deinem Buch "Das große Computerviren Buch" hast du neben eigenen Quellcodes auch Viren von anderen Personen (Bernd Fix, M. Vallen, ...) veröffentlicht. Wie kam damals der Kontakt zu anderen Forschern dieses heiklen Themas trotz staatlicher Zensur zustande?

Da es das Internet in der heutigen Form noch nicht gab und Modems (die natuerlich illegal waren) zu Preisen von 2-3000 DM gehandelt wurden, habe es nicht sooo viele Moeglichkeiten. Die meisten Kontakte haben sich auf Kongressen des CCC ergeben.

4.) Du hast dich nach eigenen Angaben bis etwa 1992 mit dem Thema "Computerviren" befasst. Zu dieser Zeit hat sich im Untergrund bereits eine kleine Virenschreiber-Szene entwickelt. Wie hast du diese Entwicklung erlebt?

Ich war schon fasziniert vom Einfallsreichtum und Humor der Entwickler. Die Bootsektorviren und die huebschen Amiga-Viren oder der witzige "Herbstlaub-Virus" (bei dem die Buchstaben am Bildschirm herunterfielen), waren schon beeindruckend.

5.) Was hat dich dazu gebracht, das Thema Computerviren sein zu lassen und was hast du danach gemacht?

Anfeindungen und die mit der Kommerzialisierung verbundene Agressivitaet des Marktes. Anrufe des BSI, die mich davor gewarnt haben, weiter zu veroeffentlichen, Rechtssteitigkeiten unter Beteiligung meiner speziellen Freunde Freiherr von Gravenreuth und Prof. Brunnstein, die fehlenden Kommunikationsmoeglichkeiten, und vor allem die Tatsache, dass das alles ein Fass ohne Boden zu werden schien.

Man wuerde die Sache nicht in den Griff bekommen koennen. Nicht mit diesen Computern und nicht mit diesen Betriebssystemen. Linux gab es damals noch nicht und Unix war unerschwinglich teuer. Und als dann ein lukrativer Auftrag fuer ein ortsansaessiges Unternehmen anstand, hatte ich die Wahl: Weiter Viren oder lieber was Produktives machen...

6.) Hattest du jemals moralische Bedenken wegen deiner Arbeit? Dein Buch hat schließlich der breiten Öffentlichkeit dieses Thema zugänglich gemacht und hat wohl viele Menschen zum Schreiben und vor allem Verbreiten von schädlichen Codes gebracht.

Moralische bedenken? Wg. dem Verbeiten von Informationen? Nein

7.) Hast du dir damals, 1987, gedacht, dass Computerviren ein so großes Problem werden könnten wie sie heute sind?

Ich ahnte, dass es schlimm werden wuerde. Dass es so schlimm werden wuerde, ahnte ich nicht. Ich dachte, es wird einen anderen Umgang mit dem PC und vor allem bessere Betriebssysteme geben.

8.) Was denkst du über heutige Computerviren?

Sie sind fuer micht nicht relevant. Ich benutze eine Betriebssystemversion, die praktisch zu allen Viren inkompatibel ist.

Aber irgendwie witzig finde ich es schon, wenn sich auf dem Rechner eines Kunden so ein Ding breitmacht und nur dadurch auffaellt, dass es erstmal den Virescanner entfernt ;-)

9.) Würdest du mit dem Wissen der heutigen Situation nochmals beginnen dieses Thema erforschen?

Es ist zu dem Thema alles gesagt, was es zu sagen gab. Machen wir uns nichts vor: Computer haben in den letzten 30 Jahren keine wirklichen Leistungsspruenge gemacht. Bereits in den 80er konnte man damit seine Buchhaltung machen, Briefe schreiben, Filme sehen, Musik hoeren und Kommunizieren. Bereits der Amiga konnte sprechen. Heute kann ich mit einem modernen PC meine Buchhaltung machen, Briefe schreiben, Filme sehen und Kommunizieren. Es geht vielleicht alles etwas einfacher, aber wirkliche Innovationen sind das nicht.

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